Auf dieser Seite finden Sie, was in und um Breitensee geschieht und sich in Bildern festhalten läßt.
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DAS WERDEN DER PFARRE BREITENSEE
Unter Einbeziehung der Geschichte unserer Marchfeldheimat
Festschrift anläßlich der 200 Jahrfeier im Jahr 1984

Von Franz GARHÖFER 1984
„Anno 1784 wurde durch allerhöchste Verordnung des Kaisers die Filialkirche zu Ehren St. Peter und Paul in Breitensee – bisher zur Pfarre Marchegg gehörig – zu einer Lokalkaplaney erhoben.“
Der Weltpriester namens Gotthardus Bartusch aus Böhmen, wurde am 30. Juni 1784 vom Patron als Lokalkaplan dem Bischof vorgeschlagen. Damit begann in Breitensee eigenständiges pfarrliches Leben.
Diese 200 Jahrfeier will daran erinnern. Es darf aber nicht bloß ein Zurückschauen auf die Vergangenheit bleiben, sondern ein Besinnen auf den Stand in der Gegenwart und soll ein mutiges Ausschreiten in die Zukunft werden.
Wie Euer Gotteshaus aus vielen Steinen vor Jahrhunderten zusammengefügt wurde, „so lasst auch Euch – wie der Apostel Petrus sagt – als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen“.
Auf jeden einzelnen kommt es an, ob dieser Bau der Pfarrgemeinde gelingt, ob und wie das kostbare Erbe des Glaubens den kommenden Generationen weitergegeben wird.
Dass dies Euch Breitenseern mehr und mehr gelinge, ist mein Wunsch zu dieser Feier!
Bischofsvikar Josef Nowak
Vikariat unter dem Manhartsberg
200 Jahre selbstständige Pfarre Breitensee! 200 Jahre kirchliche Gemeinde, Gemeinde Christi, in einem Grenzland zwischen Ost und West, zwischen östlicher und westlicher Kultur, in einem Grenzland, wo vor 1200 Jahren die Missionare aus Byzanz und aus dem West-Röm. Reich einander berührten.
Dieses Jubeljahr soll Euch, Christen von Breitensee, noch mehr miteinander verbinden! Christus hat uns aufgetragen, Gott über alles zu lieben und unsere Nächsten wie uns selbst. Das bedeutet, dass wir zusammenhalten und zusammen kommen müssen. Beides macht die christliche Gemeinde zu einer lebendigen christlichen Gemeinde.
Die Pfarrkirche ist der Mittelpunkt dieses christlichen Lebens. Sie ist das Zeichen, dass Gott den Menschen unserer Gemeinde nahe ist, ja dass er mitten unter uns wohnt. Sie ist aber ebenso auch das Zeichen der Einheit der Menschen in unserer Gemeinde.
Aus der gemeinsamen Feier des Opfers Christi soll die Liebe im täglichen Leben Kraft und Nahrung schöpfen.
Gott möge die Pfarrgemeinde Breitensee immer mit seinem Segen begleiten!
Hl. Peter und Paul betet für unsere Gemeinde vor dem Thron unseres Herrn!
Geistlicher Rat
Jan van Hellenberg-Hubar
Dechant
200 Jahre Pfarre Breitensee ist unter anderem ein Grund, etwas in der Chronik zu blättern, offenbart sich doch hier die wechselvolle Geschichte dieser Pfarre und ihrer Pfarrherrn.
Für mich als Bürgermeister ist vorerst das Verhältnis von Kirche und Pfarre zur Gemeinde, wie es sich im Laufe der zurückliegenden Jahre ergeben hat, von Bedeutung. Der Chronik nach zu schließen, muss es meist gut gewesen sein.
So liest man hier von Grundübereignung an die Pfarre 1858.
1879 hat eine Missernte die Breitenseer hart betroffen.
Erstmals konnte damals der Verpflichtung gegenüber der Kirche nicht nachgekommen werden.
Ein besonderes Ereignis für Breitensee war wohl die Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Herrn Pfarrer Sedlacek im Jahre 1900. Wird doch damit die besonders gute Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Pfarrer dokumentiert.
Von einem Konflikt mit dem Pfarrherrn ist erstmals zwischen 1923-1925 die Rede. Es kam sogar zu einer Gerichtsvollhandlung wegen „nicht erbrachter Leistung der Gemeinde Breitensee“. 1926 ist aber wieder Friede zwischen Pfarrherrn und Gemeinde eingezogen, denn ab diesem Zeitpunkt – so berichtet die Chronik – wurden wieder alle Leistungen der Gemeinde an der Pfarre garantiert.
Heute, so darf ich doch sagen, herrscht eine gute Zusammenarbeit. Die Gemeinde will diese weiterpflegen, vertiefen und Unterstützung im Rahmen des Möglichen geben.
Diese Betrachtung und diese Feststellung verbinde ich mit dem Wunsch, dass das Fest der Pfarrgründung die Verbundenheit von Kirche und Gemeinde befruchtet und neuerlich dokumentiert.
Bürgermeister
Erwin Knopp
Es ist für mich eine angenehme Pflicht, zum 200 jährigen Bestehen unserer Pfarre einen Glückwunsch aussprechen zu dürfen.
Es sind ja vorerst religiöse Ziele, welche Kirche und Pfarre für die Gläubigen zu erfüllen vermögen. Darüber hinaus wirkt die Kirche auf breitester Ebene im geistigen Belange und hat heute ebenso wie in der Vergangenheit einen wesentlichen Anteil am kulturellen Geschehen der Gemeinschaft.
Unser Dorf hat seit seinem Bestehen viel e kriegerische Auseinandersetzungen erdulden müssen. Breitensee teilte so das Schicksal aller Marchfelddörfer.
Die Kirche war hierbei stets ein Ort des Glaubens und der Geborgenheit.
Mit Vertrauen zu Gott und mit der Liebe zur heimatlichen Scholle wurden Kriegswirren, Epidemien, Seuchen und Hungersnöte überwunden.
Möge der Pfarrgemeinde jetzt eine friedliche Zukunft beschert und weiterhin ein segenreiches Wirken ermöglicht werden.
Stadtrat
Helmut Schlusche
Ortsvorsteher
Für den Verfasser war es eine anregende Aufgabe, das Werden der Pfarre seines Heimatortes im Rahmen der Geschichte unserer Marchfeldheimat darzustellen.
Der kurze geologische Exkurs zu Beginn der Arbeit mag zum besseren Verstehen der wirtschaftlichen Probleme des Dorfes beitragen. Wo es nur Schotter, Sand und wenige ausgezeichnete Ackerböden gibt, kann die Bevölkerung, insoweit sie aus Bauern besteht – was ja die längste Zeit der Fall war – kaum wohlhabend werden. Auf die Kirche bezogen heißt das, dass die zur Verfügung stehenden Mittel stets beschränkt waren.
Wenn es dennoch im Laufe der Zeit zu beachtenswerten Leistungen auf kirchlichem beziehungsweise kirchenbaulichem Gebiet gekommen ist, so zeigt das von besonderer Tüchtigkeit und tiefer Gläubigkeit unserer Vorfahren.
Die Besiedlungsgeschichte wurde bewusst von der Anfangszeit menschlicher Siedlungen in unserem Raume – also Marchfeld und Weinland - aufgezeigt, das zwar in groben Zügen, so wurde aber eine Abrundung und Vervollständigung erreicht.
Es wäre schön, wenn möglichst viele Mitbürger diese Broschüre studierten. Das Schicksal der Menschen, die vor uns hier gelebt haben, die überragende Bedeutung der Kirche für unser Dorf und das Vorbild starker, wertvoller Persönlichkeiten könnten dadurch besser erfasst, die Gegenwart aber mit ihren scheinbar so großen Problemen würde nüchterner und emotionsloser beurteilt werden.
Regierungsrat
Franz Garhöfer
Um seine Heimat verstehen und sie wahrhaft auch lieben zu können, ist das Wissen um ihre Geschichte Voraussetzung.
Es ist ja nicht von ungefähr, dass gerade wir hier leben und arbeiten, dass wir deutsch sprechen, und dass wir in einem ausgeprägten christlich-katholischen Lebenskreis eingebettet sind.
Das sind Fakten, die sich aus ungezählten Ereignissen, Begebenheiten und oft schweren Schicksalen – auch persönlicher Art – ergeben haben, deren Entwicklung weiter geht. Wohin und wie – wer weiß es?
Die Kenntnis der Vergangenheit kann uns dazu befähigen, Verhalten und Tätigkeit der
Vorfahren mit Verständnis und Herz nachzuempfinden und im Entscheidungsfälle sinnvoll zu handeln.
Unser Dorf war bis 1800, besser gesagt bis zur Errichtung der Eisenbahn Gänserndorf-Marchegg 1847 und Wien (Stadlau) – Marchegg 1870 ein reines Bauerndorf, das bestenfalls zusätzlich die erforderlichen Handwerker hatte. Heute sind es nur mehr wenige Familien (15), die hauptberuflich Bauern sind. Trotzdem verfolgen wir alle auch jetzt noch Arbeit und Erfolg dieser Berufsgruppe mit Aufmerksamkeit und leiden mit ihr bei Misserfolgen. Sie schafft „unser tägliches Brot“, sie kann das umso besser, je weniger sie von wirtschaftlichen Sorgen geplagt ist.
In diesem Zusammenhang ist es interessant zu hören, wie unsere Marchfelderde – im besonderen auch Breitenseer Erde - geworden ist.
Einfach dargestellt folgendermaßen:
Alpen – an schönen Tagen sehen wir von ihnen den Schneeberg – und Karpaten – das ist die Gebirgskette jenseits der March – bildeten vor urdenklichen Zeiten ein zusammenhängendes Gebirge.
Vor etwa 60 Millionen Jahren begann sich dieses Gebirge in dem Teil, wo jetzt Marchfeld und Weinland sind, zu senken (Wiener Becken).
Die Große Ungarische Tiefebene war damals ein Meer. Als die Senkung die entsprechende Tiefe erreicht hatte, überschwemmte dieses Meer auch unser Gebiet. Nach etwa 30 Millionen Jahren hörte die Senkung auf. Sie war auch mit einem „Zerbrechen“ des Gebirges verbunden.
Die mächtige Donau mündete in dieses Meer - damals etwa in der Gegend des heutigen Mistelbach. Infolge ihrer Ablagerungen war sie die Hauptursache, dass das Meer verlandete. (1a)
Dem Meer verdanken wir das Öl und das Erdgas. Planktonartige Kleinlebewesen sanken, nachdem sie abgestorben waren, zu Boden – milliardenfach – und bildeten dort hohe Schichten, man nennt sie Faulschlammschichten. Diese entwickelten sich durch Druck, erhöhte Temperaturen und bakteriologische Einwirkungen zu Öl und zu Erdgas.
Die Donau brachte den Ackerboden:
Schotter - Sand - Lehm.
Es gibt bei uns keinen Platz, wo nicht einmal die Donau geflossen wäre.
Auch über unseren „Berg“ rann sie dahin, und die Abhänge des „Berges“ von der Bahn bis Breitensee, dann nach Osten weiter bis Schlosshof, sind nichts anderes als Wagrame (Wogenränder) der Donau.
Unser See aber, von dem wir den Ortsnamen haben – ebenso wie Lassee (Lauchsee) und Haringsee (Horwengse = schmutziger See) – ist der Rest eines alten Donau-Wasser-Laufes.
Die älteste bekannte Siedlung in unserem Raume ist Stillfried. Ausgrabungsergebnisse zeigen, dass dort schon vor 30.000 Jahren eine altsteinzeitliche Jägersiedlung bestand.
Aus der Zeit von 1800 bis 800 vor Christi (Jungsteinzeit) gibt es Funde in größerer Zahl. Vor allem sind das die Orte Blumenthal, Dürnkrut und Zwerndorf, wo sich Siedlungen nachweisen lassen.
Auch in Breitensee wurden beim Pflügen auf Seegrundstücken steinzeitliche Relikte gefunden. (Der Schreiber der Zeilen besaß selbst 2 Steinzeitbeile. Sie sind 1945 abhanden gekommen.)
Funde aus unserem gesamten Raum von Hohenau bis Stopfenreuth und Orth dokumentieren, dass unsere Heimat in der anschließenden Bronze- und der nachfolgenden Eisenzeit weiterhin besiedelt war.
Besonders zu nennen wären hier die Orte Oberweiden, Stripfing und Untersiebenbrunn.
Um Christi Geburt waren es die Kelten, die hier siedelten. Dieses Volk – auch Gallier, Galater oder Galli genannt – reichte in seiner größten Ausdehnung von Kleinasien (heute Türkei) quer durch Europa bis England (Wales).
Die Kelten waren auch in kultureller Hinsicht von Bedeutung. Apostel Paulus würdigte sie in seinem „Brief an die Galater“.
Die Besiedlung von damals muss man sich sehr dünn vorstellen. Wir kennen Reste einer keltischen Anlage auf dem Braunsberg bei Hainburg, zudem wurde in Untersiebenbrunn eine keltische Münze mit der Aufschrift „Cobrovamarus“ gefunden. (1d)
Der Name der March stammt zum Teil aus dieser Zeit:
„mar“ ist keltisch und heißt Sumpfwasser
„ahawa“ stammt aus der nachfolgenden germanischen Zeit und heißt Fluss. Dieses Wort hat
sich in unserer Flussbezeichnung „Aache“ bis heute erhalten. Wörtlich heißt „March“ also
„Sumpffluss“. (1d)
Aus Böhmen und Mähren kommen die Markomannen und mit ihnen die stammverwandten Quaden. Es sind das germanische Volksstämme, wovon letzere beiderseits der March siedelten.
Bald haben die Germanen im Süden auch die Donau erreicht und sind jetzt auf der Jahrhunderte hinaus die unangenehmen Nachbarn der Römer, die zu dieser Zeit, von der anderen Seite kommend, ihre Donaugrenze einrichteten.
In der kommenden Zeit gibt es wiederholt kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Römern und den Germanen, und das Marchfeld wird zum erstenmal Schlachtfeld.
Ob es in Breitensee damals eine Siedlung gegeben hat, lässt sich nicht feststellen. Konkrete Funde gibt es aus Baumgarten, Marchegg und aus Stopfenreuth.
Möglich wäre eine Siedlung allerdings hier gewesen. Der hochgelegene Hang vor Hochwasser, das Land mit dem See bot gute Möglichkeiten für Jagd und Fischerei.
Zudem lag der Flecken hier an der sogenannten Bernstraße. Diese war eine wichtige Nordsüdverbindung und diente hauptsächlich als Handelsweg. Von Stopfenreuth (Überfuhr!) kommend führte sie über Niederweiden, Groissenbrunn, Breitensee, Oberweiden, Angern und weiter nach Norden bis an die Ostsee.
Um 400 zogen die Quaden gemeinsam mit den durchziehenden Wandalen nach Westen ab. Sie waren schon vorher unter ihrer Königin Frigitil zum katholischen Glauben übergetreten.
Durch die aus Asien vorstoßenden Hunnen (375) setzten sich wesentliche Teile der ostgermanischen Staaten – vom Kaukasus bis zur Krim beginnend - nach Westen hin in Bewegung.
Wir nennen diesen Zeitabschnitt die Zeit der Völkerwanderung.
Unser Marchfeld wird Durchzugsland und Aufenthaltsraum verschiedener germanischer Völker. Es sind das die Heruler, die Goten Rugier und zuletzt die Langobarden.
Wolfgang Garhöfer
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